Krisen der Unruhe bei einer Person mit Alzheimer managen: Schritt-für-Schritt praktische Anleitung

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Titel : Aggressionsanfälle bei einer Person mit Alzheimer: Praktischer Leitfaden Schritt für Schritt

Beschreibung : Umfassender Leitfaden zum Verstehen, Vorbeugen und Bewältigen von Aggressionsanfällen bei Menschen mit Alzheimer: Auslöser, Beruhigungstechniken, Präventionsstrategien und Schritt-für-Schritt-Protokoll zur Wiedererlangung der Ruhe.

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Alzheimer, Aggression, Krise, Aggression, Beruhigung, Verhaltensstörungen, Management

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Lesedauer : 24 Minuten

"Mein Vater fängt an, ohne Grund zu schreien, er wird aggressiv." "Meine Mutter wird abends unruhig, sie will gehen, rausgehen, sie kann sich nicht beruhigen." "Er hat mich heute geschlagen, ich erkenne ihn nicht mehr." "Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll, ich habe Angst vor ihm."

Die Aggressionsanfälle sind einer der schwierigsten Aspekte der Alzheimerkrankheit. Ihr sonst ruhiger Angehöriger kann plötzlich schreien, aggressiv werden (verbal oder körperlich), unruhig werden und jede Hilfe ablehnen. Diese Verhaltensweisen sind nicht böswillig, sondern Symptome der Krankheit: das geschädigte Gehirn kann Emotionen, Frustration und Verwirrung nicht mehr bewältigen.

Dieser Leitfaden erklärt warum diese Anfälle auftreten, wie man sie vermeidet und vor allem, Schritt für Schritt darauf reagiert, um Ihren Angehörigen zu beruhigen und die Ruhe wiederherzustellen.

Inhaltsverzeichnis

1. Aggressionsanfälle verstehen

2. Häufige Auslöser

3. Beruhigungsprotokoll: Schritt für Schritt

4. Präventionstechniken

5. Wann man medizinische Hilfe beantragen soll

Aggressionsanfälle verstehen {#comprendre}

Was ist ein Aggressionsanfall?

Manifestationen :

  • Schreien, brüllen
  • Motorische Unruhe (zielloses Herumlaufen, Gestikulieren)
  • Verbale Aggression (Beleidigungen, Drohungen)
  • Körperliche Aggression (Schlage, Beißen, Kratzen)
  • Pflegeverweigerung (schiebt den Pfleger gewaltsam weg)
  • Fluchtversuche (will gehen, rausgehen)
  • Dauer : Von einigen Minuten bis zu mehreren Stunden (wenn nicht bewältigt).

    Warum passiert das?

    1. Gehirndegeneration

    Die Gehirnregionen, die die Emotionen regulieren (Frontallappen, Amygdala) sind beschädigt.

    Konsequenz : Verlust der emotionalen Kontrolle, unverhältnismäßige Reaktionen.

    2. Unfähigkeit, sich verbal auszudrücken

    Die Person kann nicht mehr sagen :

  • "Es tut weh"
  • "Ich habe Hunger"
  • "Ich habe Angst"
  • "Ich bin verloren"
  • Unruhe = einziger Weg, um ihr Unwohlsein auszudrücken.

    3. Verwirrung, Desorientierung

    Erkennt keine Orte, keine Personen mehr.

    Angst, Unruhe → Defensive Unruhe.

    4. Frustration

    Versteht nicht mehr, was verlangt wird, kann keine einfachen Dinge mehr tun.

    Frustration → Wut.

    Es ist KEINE Bosheit

    Ihr Angehöriger möchte Ihnen nicht schaden.

    Er/sie leidet, ist verwirrt, hat Angst und kann es nicht anders ausdrücken.

    Grundsatz: Nehmen Sie die Unruhe nie persönlich.

◆ ◆ ◆

Häufige Auslöser {#declencheurs}

Körperliche Auslöser

1. Schmerz

  • Verstopfung (häufig, sehr schmerzhaft)
  • Harnwegsinfektion (Hauptursache plötzlicher Unruhe)
  • Gelenk- oder Zahnschmerzen
  • Fieber
  • 2. Müdigkeit

  • Schlafmangel
  • Überanstrengung (zu viele Aktivitäten)
  • 3. Hunger, Durst

  • Vergessen zu essen/trinken
  • 4. Toilettengang

  • Dringende Bedürfnisse, die nicht ausgedrückt werden können
  • 5. Unangenehme Umgebung

  • Zuviel Hitze, zuviel Kälte
  • Übermäßiger Lärm
  • Zuviel oder zu wenig Licht
  • Emotionale/kognitive Auslöser

    1. Verwirrung, Desorientierung

  • Erkennt den Ort nicht mehr
  • Denkt, dass er/sie anderswo ist (in seinem/ihr Kindheitshaus)
  • 2. Angst

  • Halluzinationen (sieht nicht existente Personen)
  • Paranoia ("Jemand stiehlt meine Sachen")
  • 3. Frustration

  • Aufgabe zu schwierig (Anziehen, Essen)
  • Missverständnis der Anweisungen
  • 4. Routinenwechsel

  • Neuer Ort, neue Person
  • Änderung der gewohnten Zeiten
  • 5. "Sundowning" Syndrom

  • Systematische Unruhe am Nachmittag/Abend
  • Ursache: Müdigkeit, verstärkte Desorientierung, abnehmendes Licht
  • Auslöser beim Pfleger

    1. Tonfall des Pflegers

  • Lautes, harsches Sprechen
  • Ungeduldiger, gereizter Ton
  • 2. Plötzliche Bewegungen

  • Ziehen, schieben
  • 3. Zwingen

  • Zwingen, etwas gegen ihren Willen zu tun
  • 4. Widersprechen, Korrigieren

  • "Nein, du liegst falsch!" → Führt zu Frustration
  • 5. Zu viele Reize

  • Mehrere Personen sprechen gleichzeitig
  • Fernseher an, Hintergrundgeräusche
  • Beruhigungsprotokoll: Schritt für Schritt {#protocole}

    Schritt 1: Sorgen Sie für Ihre Sicherheit und die der Person

    ABSOLUTE PRIORITÄT: Sicherheit.

    Bei körperlicher Gewalt (Schläge, Bisse) :

    1. Zurückziehen, Distanz schaffen (verlassen Sie den Raum, wenn nötig)

    2. Niemals physisch zurückschlagen (verschlimmert die Situation)

    3. Die Person vor sich selbst schützen

  • Gefährliche Gegenstände entfernen (Messer, Scheren)
  • Zugang zu Treppen, Fenster blockieren
  • 4. Hilfe rufen, wenn nötig

  • Familie, Nachbarn, Feuerwehr (15) im Falle einer akuten Gefahr
  • Prinzip: Ihre Sicherheit steht an erster Stelle. Sie können nicht helfen, wenn Sie verletzt sind.

    Schritt 2 : Bleiben Sie ruhig (auch wenn es schwierig ist)

    Ihre Ruhe = Schlüssel zur Beruhigung.

    Die Person mit Alzheimer nimmt Ihre Emotionen wahr (auch wenn sie die Worte nicht versteht).

    Wenn Sie gestresst, unruhig sind → Sie werden unruhiger.

    Techniken zur Selbstberuhigung :

    1. Tiefe Atmung

  • Einatmen für 4 Sekunden, ausatmen für 6 Sekunden (x3)
  • 2. Selbstgespräch

  • "Es ist nicht gegen mich, es ist die Krankheit."
  • "Ich kann das schaffen, ich bleibe ruhig."
  • 3. Lächeln (auch wenn es gezwungen ist)

  • Das Gehirn interpretiert das Lächeln als Signal der Ruhe
  • Schritt 3: Identifizieren Sie den Auslöser

    Stellen Sie sich folgende Fragen :

    Körperlich ?

  • Hat er/sie irgendwo Schmerzen?
  • Hat er/sie kürzlich gegessen/getrunken?
  • Muss er/sie zur Toilette?
  • Ist ihm/ihr kalt/warm?
  • Umgebungsbedingt ?

  • Zuviel Lärm, zuviel Licht?
  • Unbekannter Ort?
  • Emotional ?

  • Hat er/sie vor etwas Angst?
  • Hat er/sie Frustration (schwierige Aufgabe)?
  • Zeitlich ?

  • Sundowning (Tagesende)?
  • Bei Verdacht auf Schmerzen/Infektion → Schnell einen Arzt konsultieren (Harnwegsinfektion, Verstopfung).

    Schritt 4: Passen Sie Ihre Kommunikation an

    Goldene Regeln :

    1. Tonfall

  • Ruhig, sanft, beruhigend
  • Langsam sprechen
  • Kein Schreien (auch wenn sie schreit)
  • 2. Kurze und einfache Sätze

  • "Ich bin hier. Alles ist gut."
  • "Wir setzen uns zusammen."
  • 3. Nicht widersprechen, nicht argumentieren

  • Wenn er/sie sagt "Ich will meine Mutter" (verstorben) :
  • - ❌ "Deine Mutter ist tot, hör auf damit"

    - ✅ "Denkst du an deine Mutter? Sie hat dich sehr geliebt." (Validierung)

    4. Nonverbale Kommunikation

  • Augenkontakt (auf ihrer Höhe, in die Hocke gehen, wenn sie sitzt)
  • Langsame und offene Gesten (keine schnellen Bewegungen)
  • Lächeln (beruhigend)
  • 5. Berührung vermeiden (am Anfang des Anfalls)

  • Manche Menschen empfinden dies als Aggression
  • Warten, bis die Person sich etwas beruhigt hat, bevor Sie berühren
  • Schritt 5: Beruhigungstechniken

    1. Ablenkung

    Lenken Sie die Aufmerksamkeit auf etwas Angenehmes.

    Beispiele :

  • "Schau dir dieses Foto an, wer ist das?"
  • "Möchtest du ein Glas Wasser?"
  • "Lassen Sie uns Musik hören?"
  • 2. Vertraute Musik

    Sehr starke Wirkung (musikalisches Gedächtnis bleibt lange erhalten).

    Spielen Sie Musik aus ihrer Jugend (50er-60er Jahre, wenn sie heute älter sind).

    Beruhigende Lieder, die sie mochten.

    3. Beruhigende Aktivität

  • Ein Tier streicheln (wenn vorhanden, oder ein Kuscheltier)
  • Familienfotos ansehen
  • Wäsche falten, Gegenstände sortieren (wiederholende, beruhigende Tätigkeit)
  • Mit EDITH spielen (ruhige Spiele, Puzzles)
  • 4. Gehen

    Wenn sie ziellos herumgeht :

    Begleiten Sie den Spaziergang (im Garten, im Raum).

    Sprechen Sie leise beim Spazierengehen ("Wir gehen zusammen, das ist schön").

    Körperliche Müdigkeit → Allmähliche Beruhigung.

    5. Umweltwechsel

    Bei Unruhe in einem Raum: Schlagen Sie vor, in einen anderen Raum zu gehen (ruhiger, vertrauter).

    "Gehen wir ins Wohnzimmer, es ist ruhiger."

    6. Beruhigende Präsenz

    Setzen Sie sich neben sie (ohne zu sprechen, einfach da sein).

    Hand auf die Schulter (sanft, wenn sie es zulässt).

    Synchronisierte Atmung (atmen Sie ruhig, sie wird sich unbewusst anpassen).

    Schritt 6: Erfüllen Sie die physischen Bedürfnisse

    Wenn ein Auslöser identifiziert ist :

    Schmerz :

  • Schmerzmittel (Paracetamol) wenn verordnet
  • Einen Arzt aufsuchen, wenn der Schmerz anhält
  • Hunger/Durst :

  • Einen Snack, etwas zu trinken anbieten
  • Toilette :

  • Zur Toilette begleiten
  • Temperatur :

  • Decke hinzufügen/entfernen, Kleidung anpassen
  • Müdigkeit :

  • Vorschlagen, sich hinzulegen, zu ruhen
  • Schritt 7: Geduld und Ausdauer

    Beruhigen erfordert Zeit (15 min bis 1 Stunde).

    Erwarten Sie nicht, dass die Ruhe sofort zurückkehrt.

    Bleiben Sie präsent, geduldig, wohlwollend.

    Wenn eine Technik nicht funktioniert, versuchen Sie eine andere.

    ◆ ◆ ◆

    Präventionstechniken {#prevention}

    1. Strukturierte Routine

    Feste Zeiten (Aufwachen, Essen, Schlafen) = Sicherheit, begrenzt Verwirrung.

    2. Ruhige Umgebung

  • Sanftes Licht (keine grellen Leuchtstofflampen)
  • Wenig Lärm (Fernseher aus, wenn nicht gehört)
  • Angenehme Temperatur (20-22°C)
  • 3. Müdigkeit vermeiden

  • Kurzschläfchen (max. 30 Min.) nach dem Mittagessen
  • Nicht zu viele Aktivitäten tagsüber
  • Früh zu Bett gehen (vor dem Sundowning)
  • 4. Angepasste Aktivitäten

  • Kognitive Stimulation mit EDITH (15-20 Min./Tag)
  • Manuelle Tätigkeiten (Malen, Stricken)
  • Spaziergänge (wenn möglich)
  • 5. Ernährung, Hydratation

  • 3 Mahlzeiten + 2 Snacks (Hypoglykämie vermeiden)
  • Regelmäßig trinken (1,5L/Tag)
  • 6. Behandlung physischer Ursachen

  • Regelmäßige ärztliche Nachsorge (Erfassung von Infektionen, Verstopfung)
  • Analgetika bei chronischen Schmerzen (Arthrose)
  • 7. Wohlwollende Kommunikation

  • Ruhiger, sanfter Ton
  • Keine Widersprüche, keine Konflikte
  • Emotionale Validierung
  • 8. Licht am Tagesende

    Sundowning: Einschalten der Lichter vor Sonnenuntergang (abrupter Übergang Tag/Nacht vermeiden).

    Wann man medizinische Hilfe beantragen soll {#aide-medicale}

    Schnell konsultieren, wenn :

    1. Plötzliche und ungewöhnliche Unruhe

  • Könnte auf Harnwegsinfektion, akute Schmerzen hinweisen
  • Konsultieren Sie Ihren Hausarzt (oder im Notfall am Wochenende)
  • 2. Häufige körperliche Gewalt

  • Wiederholte Schläge, Bisse
  • Gefahr für Pfleger oder Person
  • Konsultation : Neurologe, Gerontologe (mögliche Anpassung der Medikamente).

    3. Ständige und unkontrollierbare Unruhe

  • Trotz aller Techniken keine Ruhe
  • Völlige Erschöpfung des Pflegers
  • Lösungen :

  • Temporäre Krankenhauseinweisung (Bewertung, Anpassung der Behandlung)
  • Temporäre oder dauerhafte Unterbringung (Pflegeheim, Langzeitpflegeeinrichtung)
  • Medikamentöse Behandlungen

    Letzte Option (nachdem alles versucht wurde).

    Mögliche Medikamente:

  • Anxiolytika (Benzodiazepine): Kurzzeitdauer, Sturzrisiko
  • Neuroleptika (Risperidon, Olanzapin): Bei Halluzinationen, schwerwiegender Aggression
  • Antidepressiva: Bei zugrunde liegender Depression
  • Risiken: Nebenwirkungen, übermäßige Sedierung.

    Immer unter strenger medizinischer Aufsicht.

    ◆ ◆ ◆

    Erfahrungsberichte

    Marie, Pflegerin ihres Vaters

    "Mein Vater hatte jeden Abend Aggressionsanfälle. Ich verstand es nicht. Dann las ich über das Sundowning. Ich habe die Lichter früher eingeschaltet, Mahlzeiten vorgezogen, sanfte Musik gespielt. Es hat alles verändert! Die Anfälle sind um 80 % zurückgegangen."

    Jean, Sohn einer Mutter mit Alzheimer

    "Meine Mutter schrie, wenn ich sie anzog. Ich habe festgestellt, dass ich zu schnell und forsch war (wegen der Müdigkeit). Ich habe verlangsamt, spreche sanft mit ihr, erkläre jeden Schritt. Jetzt klappt es gut. Es dauert lange, aber es ist ruhig."

    Fazit: Mit Geduld und Wohlwollen beruhigen

    Die Aggressionsanfälle sind erschöpfend, beängstigend, aber mit den richtigen Techniken zu bewältigen. Die Auslöser verstehen, die Kommunikation anpassen, beruhigende Strategien anwenden und vor allem ruhig bleiben: Das sind die Schlüssel zur Wiedererlangung der Gelassenheit.

    Wichtige Schritte :

    1. ✅ Sicherheit gewährleisten

    2. ✅ Ruhig bleiben

    3. ✅ Auslöser identifizieren

    4. ✅ Angepasste Kommunikation

    5. ✅ Beruhigungstechniken (Ablenkung, Musik, Aktivität)

    6. ✅ Physische Bedürfnisse erfüllen

    7. ✅ Geduld

    Sie sind nicht allein. Unser Alzheimer Training lehrt Ihnen diese Techniken im Detail. EDITH hilft, Unruhe durch kognitive Stimulation zu verhindern. Und unser kostenloser Leitfaden unterstützt Sie im Alltag.

    DYNSEO-Ressourcen zur Bewältigung von Unruhe :

  • Alzheimer-Training: Praktische Lösungen
  • EDITH: Unruhe durch Stimulation verhindern
  • Kostenloser Leitfaden
  • Unruhe ist keine Bosheit, es ist ein Hilfeschrei. Reagieren Sie mit Ruhe, Geduld, Liebe. Sie werden es schaffen.

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