Lernstörungen: Die Rolle des Ergotherapeuten | Vollständiger Leitfaden

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📚 Lernstörungen

Lernstörungen: Die Rolle des Ergotherapeuten

Die DYS-Störungen betreffen 6 bis 8% der schulpflichtigen Kinder. Der Ergotherapeut spielt eine Schlüsselrolle bei der Bewertung, Rehabilitation und der Umsetzung von Anpassungen zur Förderung des schulischen Erfolgs und der Entfaltung dieser Kinder.

Die spezifischen Lernstörungen (TSA) umfassen Legasthenie, Dysorthographie, Dyskalkulie und die Entwicklungsstörung der Koordination (TDC oder Dyspraxie). Diese Störungen, neurologischen Ursprungs, bestehen ein Leben lang und haben erhebliche Auswirkungen auf die schulische Laufbahn und das tägliche Leben. Der Ergotherapeut bringt eine einzigartige Expertise in Bezug auf die funktionalen Aspekte und die notwendigen Anpassungen ein, um diesen Kindern zu helfen, ihr volles Potenzial zu entwickeln.

🧠 Verstehen der Lernstörungen

Die spezifischen Lernstörungen sind neurodevelopmentale Störungen, die den Erwerb grundlegender schulischer Fähigkeiten beeinträchtigen. Sie sind nicht mit einem intellektuellen, sensorischen Defizit oder einem Mangel an Stimulation verbunden, sondern mit einer besonderen Gehirnfunktion.

6-8%
der Kinder haben eine DYS-Störung
5-6%
haben eine TDC (Dyspraxie)
5%
zeigen ADHS
40%
von Komorbiditäten zwischen Störungen

Die verschiedenen DYS-Störungen

📖

Legasthenie / Dysorthographie

Lesestörungen und Rechtschreibschwierigkeiten trotz normaler Intelligenz und angepasster Schulbildung

🔢

Dyskalkulie

Schwierigkeiten beim Erlernen von Mathematik, Zahlensinn, Operationen

TDC (Dyspraxie)

Störung der motorischen Koordination, die Gesten, Schreiben und räumliche Organisation betrifft

Gemeinsame Merkmale

  • Neurologischer Ursprung: Unterschiede in der Entwicklung und Funktion des Gehirns
  • Persistenz: Die Störungen bestehen ein Leben lang, auch wenn Kompensationen möglich sind
  • Spezifität: Die Störung betrifft einen spezifischen Bereich, nicht die allgemeine Intelligenz
  • Häufige Komorbiditäten: Assoziation mehrerer Störungen bei demselben Kind
  • Funktionale Auswirkungen: Einfluss auf die schulische Laufbahn, das Selbstwertgefühl, das tägliche Leben

💡 Multidisziplinäre Diagnose

Die Diagnose der DYS-Störungen erfordert eine multidisziplinäre Bewertung: Arzt, Neuropsychologe, Logopäde, Ergotherapeut je nach vermuteten Störungen. Der Ergotherapeut ist besonders in die Diagnose der TDC und die Bewertung der funktionalen Auswirkungen der Störungen auf schulische und alltägliche Aktivitäten eingebunden.

✋ Die TDC (Dyspraxie) und Ergotherapie

Die Entwicklungsstörung der Koordination (TDC), früher Dyspraxie genannt, ist die Lernstörung, bei der der Ergotherapeut die zentralste Rolle spielt. Sie betrifft die Planung und Ausführung motorischer Gesten, mit erheblichen Auswirkungen auf das Schreiben, die Selbstständigkeit und das Schulleben.

Manifestationen der TDC

  • Große Motorik: Ungeschicklichkeit, Koordinationsschwierigkeiten, instabile Balance, Verzögerung beim Erwerb motorischer Fähigkeiten
  • Feine Motorik: Schwierigkeiten beim Schreiben, Schneiden, Knöpfen, Handhabung kleiner Objekte
  • Räumliche Organisation: Schwierigkeiten, sich auf einem Blatt zurechtzufinden, die eigene Arbeit zu organisieren, sich zu orientieren
  • Motorische Planung: Schwierigkeiten, neue Gesten zu erlernen, motorische Sequenzen zu automatisieren
  • Alltagsleben: Langsamkeit beim Ankleiden, Schwierigkeiten beim sauberen Essen, Organisation des Rucksacks

Das Schreiben: zentrales Problem

✍️

Dysgraphie

Unleserliches, langsames, ermüdendes Schreiben, oft in Verbindung mit der TDC

😓

Müdigkeit

Hohe kognitive und physische Kosten für die Produktion einer korrekten Schrift

📉

Schulische Auswirkungen

Benotungen benachteiligt, unvollendete Hausaufgaben, Diskrepanz zwischen Fähigkeiten und Produktion

Die Handschrift ist oft das Hauptmotiv für eine ergotherapeutische Konsultation bei Kindern mit TDC. Der Ergotherapeut bewertet die Qualität und Geschwindigkeit des Schreibens, identifiziert die einschränkenden Faktoren und schlägt Rehabilitations- oder Kompensationsstrategien vor.

⚠️ Rehabilitierung und Kompensation nicht verwechseln

Die Rehabilitation zielt darauf ab, die Fähigkeiten des Kindes zu verbessern (z.B. die Qualität des Schreibens zu verbessern). Die Kompensation zielt darauf ab, die Schwierigkeiten zu umgehen (z.B. den Computer zu verwenden). Beide Ansätze sind komplementär und müssen an jede Situation angepasst werden. Ein Kind mit einer schweren TDC profitiert eher von einer frühen Kompensation als von einer langen und ermüdenden Rehabilitation.

⚡ ADHS und Ergotherapie

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) hat erhebliche Auswirkungen auf das Lernen und das tägliche Leben. Der Ergotherapeut greift auf die funktionalen Aspekte ein: Organisation, Zeitmanagement, motorische Kontrolle, Kompensationsstrategien.

Die drei Dimensionen der ADHS

🎯

Unaufmerksamkeit

Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, Ablenkbarkeit, häufiges Vergessen, Verlust von Gegenständen

🏃

Hyperaktivität

Motorische Unruhe, Bewegungsdrang, Schwierigkeiten, still zu sitzen, viel Reden

Impulsivität

Handelt ohne nachzudenken, unterbricht, hat Schwierigkeiten, auf den eigenen Turn zu warten, risikobehaftetes Verhalten

Ergotherapeutische Intervention bei ADHS

  • Arbeitsorganisation: Strukturierung des Arbeitsbereichs, Verwendung visueller Hilfsmittel, Zerlegung von Aufgaben
  • Zeitmanagement: Time Timer, visuelle Planung, festgelegte Routinen
  • Motorische Kontrolle: Strategien zur Kanalisierung des Bewegungsbedarfs (dynamisches Sitzen, Fidgets)
  • Aufmerksamkeit: Aufgeräumte Umgebung, Geräuschunterdrückung, visuelle Isolation
  • Exekutive Funktionen: Planungs-, Überprüfungs- und Selbstregulationsstrategien

💡 Digitale Werkzeuge bei ADHS

Kognitive Stimulation Apps wie COCO können Kindern mit ADHS helfen, ihre Aufmerksamkeit und exekutiven Funktionen spielerisch zu trainieren. Die integrierte Sportpause erfüllt den Bewegungsbedarf dieser Kinder und fördert gleichzeitig die Regulierung.

🔍 Ergotherapeutische Bewertung

Die ergotherapeutische Bewertung der Lernstörungen ist spezifisch und umfassend. Sie zielt darauf ab, die Schwierigkeiten, deren Ursprung und deren funktionale Auswirkungen zu identifizieren, um die Intervention zu steuern.

Verwendete standardisierte Tests

  • M-ABC 2: Bewegungsbewertung für Kinder, Screening der TDC
  • BHK: Schnelle Bewertungsmaßnahme für das Schreiben (Qualität und Geschwindigkeit)
  • Beery VMI: Test der visuomotorischen Integration, Nachzeichnen geometrischer Formen
  • DTVP: Test der visuellen Wahrnehmung, Diskrimination, Formkonstanz
  • Dunn Sensorisches Profil: Fragebogen zur sensorischen Verarbeitung
  • NEPSY-II: Relevante Untertests für sensorimotorische Funktionen

Klinische Beobachtung

✍️

Schreibanalyse

Haltung, Stiftführung, Druck, Buchstabenbildung, Geschwindigkeit, Müdigkeit

📚

Schulbeobachtung

Arbeitsorganisation, Materialnutzung, Teilnahme, Verhalten

🏠

Alltagsautonomie

Ankleiden, Essen, Organisation des Rucksacks, Zeitmanagement

Diagnosekriterien der TDC (DSM-5)

  • Kriterium A: Erwerb und Ausführung motorischer Koordinationsfähigkeiten unter dem erwarteten Niveau
  • Kriterium B: Das Defizit beeinträchtigt erheblich die Aktivitäten des täglichen Lebens und den schulischen Erfolg
  • Kriterium C: Beginn der Symptome in der frühen Entwicklungsphase
  • Kriterium D: Das Defizit lässt sich nicht besser durch eine intellektuelle Behinderung, eine Sehbehinderung oder eine neurologische Erkrankung erklären

"Die Bewertung muss über die Testergebnisse hinausgehen, um die tatsächlichen Auswirkungen der Schwierigkeiten auf das Leben des Kindes zu verstehen. Diese funktionale Sichtweise leitet die ergotherapeutische Intervention."

— Empfehlungen für bewährte Praktiken

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🎯 Rehabilitation und Kompensation

Die ergotherapeutische Intervention kombiniert die Rehabilitation der defizitären Funktionen und die Umsetzung von Kompensationen, um dem Kind zu ermöglichen, trotz seiner Schwierigkeiten zu funktionieren.

Rehabilitation des Schreibens

  • Haltung und Installation: Arbeiten an der Sitzposition, der Höhe des Schreibtisches, der Ausrichtung des Blattes
  • Stiftführung: Rehabilitation der Geste, Verwendung von Adaptern wenn nötig
  • Buchstabenbildung: Explizites Lernen, visuelle und kinästhetische Methoden
  • Flüssigkeit und Geschwindigkeit: Fortschreitendes Arbeiten an der Automatisierung, wiederholte Übungen
  • Entspannung der Hand: Techniken zur Reduzierung von Verspannungen und Müdigkeit

CO-OP Ansatz

Der CO-OP Ansatz (Cognitive Orientation to daily Occupational Performance) ist besonders geeignet für Kinder mit TDC. Er nutzt kognitive Strategien, um neue Gesten zu erlernen:

🎯

Ziel - Plan - Tun - Überprüfen

Globale Strategie, die auf jedes motorische Lernen angewendet wird

💭

Geführte Entdeckung

Das Kind findet selbst die Strategien mit Hilfe des Therapeuten

🔄

Generalisierung

Übertragung der erlernten Strategien auf andere Situationen

Kompensation durch Computerwerkzeuge

  • Erlernen der Tastatur: Blindtippen als Ersatz für das handschriftliche Schreiben
  • Geometrie-Software: GeoGebra zur Umgehung der Zeichenschwierigkeiten
  • Spracherkennung: Diktat für Kinder mit schweren graphomotorischen Schwierigkeiten
  • Vorhersagesoftware: Hilfe bei der Rechtschreibung und schriftlichen Produktion

⚠️ Wann auf den Computer umsteigen?

Die Entscheidung zur Kompensation durch den Computer sollte wohlüberlegt sein. Sie wird empfohlen, wenn: die TDC bestätigt ist, die Rehabilitation ihre Grenzen erreicht, das Schreiben unleserlich oder zu langsam bleibt, die kognitiven Kosten zu hoch sind. Ein strukturiertes Erlernen der Tastatur ist dann unerlässlich.

🏫 Schulische Anpassungen

Der Ergotherapeut spielt eine Schlüsselrolle bei der Empfehlung von schulischen Anpassungen, die auf die Schwierigkeiten des Kindes abgestimmt sind. Diese Anpassungen können in einem PAP (Personalisiertes Begleitplan) oder einem PPS (Personalisiertes Schulprojekt) formalisiert werden.

Arten von Anpassungen

  • Pädagogische Anpassungen: Zusätzliche Zeit, Reduzierung der Schreibmenge, Kopien des Unterrichts
  • Materielle Anpassungen: Computer, angepasste Software, ergonomische Möbel
  • Organisatorische Anpassungen: Platz im Klassenzimmer, Präsentation der Materialien, vereinfachte Anweisungen
  • Menschliche Hilfe: AESH für bestimmte Kinder mit besonderen Bedürfnissen

Übliche Anpassungen nach Störung

TDC

Computer, zusätzliche Zeit, Reduzierung der schriftlichen Arbeiten, angepasste Geometrie, Kopien

📖

Legasthenie

Audio-Lesung, angepasste Schriftart, zusätzliche Zeit, Umformulierung der Anweisungen

ADHS

Strategischer Platz, erlaubte Fidgets, aufgeteilte Anweisungen, häufige Pausen

Die Rolle des Ergotherapeuten

  • Bedarfsevaluation: Identifizierung der notwendigen und angepassten Anpassungen
  • Argumentierte Empfehlungen: Erstellung von Empfehlungen für das Bildungsteam
  • Schulung des Lehrers: Erklärung der Schwierigkeiten des Kindes und der angepassten Strategien
  • Überwachung der Umsetzung: Überprüfung der Wirksamkeit der Anpassungen und Anpassungen
  • Teilnahme an ESS: Teams zur Überwachung der Schulbildung für Kinder mit PPS

"Die Anpassungen sind kein Gefallen, sondern eine notwendige Kompensation, um dem Kind zu ermöglichen, seine tatsächlichen Fähigkeiten trotz seiner Störung zu zeigen."

— Prinzipien der schulischen Inklusion

💻 Angepasste digitale Werkzeuge

Digitale Werkzeuge bieten wertvolle Lösungen für Kinder mit Lernstörungen, sowohl für die Rehabilitation als auch für die Kompensation von Schwierigkeiten.

Apps zur kognitiven Stimulation

Die COCO-App von DYNSEO ist besonders geeignet für Kinder mit Lernstörungen. Sie bietet spielerische Übungen, die auf die oft defizitären Funktionen dieser Kinder abzielen.

🎯

Aufmerksamkeit

Übungen zur nachhaltigen, selektiven und geteilten Aufmerksamkeit, angepasst an ADHS

🧠

Arbeitsgedächtnis

Training des visuellen und auditiven Gedächtnisses, das für das Lernen entscheidend ist

🏃

Sportpause

Integrierte körperliche Aktivitäten zur Befriedigung des Bewegungsbedarfs

Kompensationssoftware

  • Angemessene Textverarbeitung: Mit leistungsfähiger Rechtschreibprüfung, Wortvorhersage
  • Sprachsynthese: Zum Lesen von geschriebenen Texten
  • Spracherkennung: Dragon, Word Diktat zur Umgehung des Schreibens
  • Geometrie-Software: GeoGebra, Geoplan für geometrische Konstruktionen
  • Mind Mapping: Organisation von Ideen auf visuelle Weise

💡 Das Erlernen der Tastatur

Bevor das Kind den Computer als Kompensationswerkzeug nutzen kann, muss es das Blindtippen erlernen. Spezialisierte Software (TapTouche, Typing Club) ermöglicht dieses Lernen. Der Ergotherapeut überwacht diesen Prozess und stellt sicher, dass die Tippgeschwindigkeit höher wird als die der Handschrift.

🤝 Umfassende Begleitung

Die Begleitung eines Kindes mit Lernstörungen geht über die technische Rehabilitation hinaus. Sie umfasst emotionale Unterstützung, Koordination mit anderen Fachleuten und familiäre Anleitung.

Psychologische Auswirkungen der DYS-Störungen

  • Selbstwertgefühl: Wiederholtes Gefühl des Scheiterns, Vergleich mit Gleichaltrigen
  • Angst: Angst vor der Schule, Prüfungen, Schreibsituationen
  • Entmutigung: Disproportionales Bemühen im Verhältnis zu den Ergebnissen
  • Verhaltensstörungen: Manchmal reaktiv auf die Schwierigkeiten

Elternberatung

💡

Informieren

Erklärung der Störung, ihrer Manifestationen, ihrer Dauerhaftigkeit

🛠️

Ausrüsten

Übermittlung konkreter Strategien zur Unterstützung des Kindes im Alltag

❤️

Unterstützen

Begleitung der Eltern bei der Akzeptanz und Anpassung

Netzwerkarbeit

  • Logopäde: Koordination bei den Schwierigkeiten der schriftlichen Sprache
  • Psychomotoriker: Ergänzung zur großen Motorik
  • Psychologe: Emotionale Begleitung, kognitive Bewertung
  • Lehrer: Umsetzung der Anpassungen, pädagogische Anpassung
  • Arzt: Medizinische Koordination, Erneuerung der Verschreibungen

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🎯 Fazit

Die Lernstörungen betreffen eine erhebliche Anzahl von Kindern, die ohne angepasste Begleitung Gefahr laufen, schulisch zu scheitern und psychisches Leid zu erfahren. Der Ergotherapeut bringt eine einzigartige Expertise in Bezug auf die funktionalen Aspekte dieser Störungen ein, insbesondere bei der TDC und den Schreibschwierigkeiten.

Die ergotherapeutische Intervention kombiniert Rehabilitation und Kompensation, stets im Dienste der Teilnahme des Kindes an seiner schulischen Laufbahn und seinem Alltag. Digitale Werkzeuge, seien es kognitive Stimulation Apps wie COCO oder Kompensationssoftware, bereichern die Möglichkeiten der Begleitung erheblich.

Die Zusammenarbeit mit den Eltern, der Schule und anderen Fachleuten ist unerlässlich, um die Kohärenz der Begleitung sicherzustellen und dem Kind zu ermöglichen, sein volles Potenzial trotz seiner Schwierigkeiten zu entwickeln.

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