Lernstörungen: Die Rolle des Ergotherapeuten
Die DYS-Störungen betreffen 6 bis 8% der schulpflichtigen Kinder. Der Ergotherapeut spielt eine Schlüsselrolle bei der Bewertung, Rehabilitation und der Umsetzung von Anpassungen zur Förderung des schulischen Erfolgs und der Entfaltung dieser Kinder.
Die spezifischen Lernstörungen (TSA) umfassen Legasthenie, Dysorthographie, Dyskalkulie und die Entwicklungsstörung der Koordination (TDC oder Dyspraxie). Diese Störungen, neurologischen Ursprungs, bestehen ein Leben lang und haben erhebliche Auswirkungen auf die schulische Laufbahn und das tägliche Leben. Der Ergotherapeut bringt eine einzigartige Expertise in Bezug auf die funktionalen Aspekte und die notwendigen Anpassungen ein, um diesen Kindern zu helfen, ihr volles Potenzial zu entwickeln.
🧠 Verstehen der Lernstörungen
Die spezifischen Lernstörungen sind neurodevelopmentale Störungen, die den Erwerb grundlegender schulischer Fähigkeiten beeinträchtigen. Sie sind nicht mit einem intellektuellen, sensorischen Defizit oder einem Mangel an Stimulation verbunden, sondern mit einer besonderen Gehirnfunktion.
Die verschiedenen DYS-Störungen
Legasthenie / Dysorthographie
Lesestörungen und Rechtschreibschwierigkeiten trotz normaler Intelligenz und angepasster Schulbildung
Dyskalkulie
Schwierigkeiten beim Erlernen von Mathematik, Zahlensinn, Operationen
TDC (Dyspraxie)
Störung der motorischen Koordination, die Gesten, Schreiben und räumliche Organisation betrifft
Gemeinsame Merkmale
- Neurologischer Ursprung: Unterschiede in der Entwicklung und Funktion des Gehirns
- Persistenz: Die Störungen bestehen ein Leben lang, auch wenn Kompensationen möglich sind
- Spezifität: Die Störung betrifft einen spezifischen Bereich, nicht die allgemeine Intelligenz
- Häufige Komorbiditäten: Assoziation mehrerer Störungen bei demselben Kind
- Funktionale Auswirkungen: Einfluss auf die schulische Laufbahn, das Selbstwertgefühl, das tägliche Leben
💡 Multidisziplinäre Diagnose
Die Diagnose der DYS-Störungen erfordert eine multidisziplinäre Bewertung: Arzt, Neuropsychologe, Logopäde, Ergotherapeut je nach vermuteten Störungen. Der Ergotherapeut ist besonders in die Diagnose der TDC und die Bewertung der funktionalen Auswirkungen der Störungen auf schulische und alltägliche Aktivitäten eingebunden.
✋ Die TDC (Dyspraxie) und Ergotherapie
Die Entwicklungsstörung der Koordination (TDC), früher Dyspraxie genannt, ist die Lernstörung, bei der der Ergotherapeut die zentralste Rolle spielt. Sie betrifft die Planung und Ausführung motorischer Gesten, mit erheblichen Auswirkungen auf das Schreiben, die Selbstständigkeit und das Schulleben.
Manifestationen der TDC
- Große Motorik: Ungeschicklichkeit, Koordinationsschwierigkeiten, instabile Balance, Verzögerung beim Erwerb motorischer Fähigkeiten
- Feine Motorik: Schwierigkeiten beim Schreiben, Schneiden, Knöpfen, Handhabung kleiner Objekte
- Räumliche Organisation: Schwierigkeiten, sich auf einem Blatt zurechtzufinden, die eigene Arbeit zu organisieren, sich zu orientieren
- Motorische Planung: Schwierigkeiten, neue Gesten zu erlernen, motorische Sequenzen zu automatisieren
- Alltagsleben: Langsamkeit beim Ankleiden, Schwierigkeiten beim sauberen Essen, Organisation des Rucksacks
Das Schreiben: zentrales Problem
Dysgraphie
Unleserliches, langsames, ermüdendes Schreiben, oft in Verbindung mit der TDC
Müdigkeit
Hohe kognitive und physische Kosten für die Produktion einer korrekten Schrift
Schulische Auswirkungen
Benotungen benachteiligt, unvollendete Hausaufgaben, Diskrepanz zwischen Fähigkeiten und Produktion
Die Handschrift ist oft das Hauptmotiv für eine ergotherapeutische Konsultation bei Kindern mit TDC. Der Ergotherapeut bewertet die Qualität und Geschwindigkeit des Schreibens, identifiziert die einschränkenden Faktoren und schlägt Rehabilitations- oder Kompensationsstrategien vor.
⚠️ Rehabilitierung und Kompensation nicht verwechseln
Die Rehabilitation zielt darauf ab, die Fähigkeiten des Kindes zu verbessern (z.B. die Qualität des Schreibens zu verbessern). Die Kompensation zielt darauf ab, die Schwierigkeiten zu umgehen (z.B. den Computer zu verwenden). Beide Ansätze sind komplementär und müssen an jede Situation angepasst werden. Ein Kind mit einer schweren TDC profitiert eher von einer frühen Kompensation als von einer langen und ermüdenden Rehabilitation.
⚡ ADHS und Ergotherapie
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) hat erhebliche Auswirkungen auf das Lernen und das tägliche Leben. Der Ergotherapeut greift auf die funktionalen Aspekte ein: Organisation, Zeitmanagement, motorische Kontrolle, Kompensationsstrategien.
Die drei Dimensionen der ADHS
Unaufmerksamkeit
Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, Ablenkbarkeit, häufiges Vergessen, Verlust von Gegenständen
Hyperaktivität
Motorische Unruhe, Bewegungsdrang, Schwierigkeiten, still zu sitzen, viel Reden
Impulsivität
Handelt ohne nachzudenken, unterbricht, hat Schwierigkeiten, auf den eigenen Turn zu warten, risikobehaftetes Verhalten
Ergotherapeutische Intervention bei ADHS
- Arbeitsorganisation: Strukturierung des Arbeitsbereichs, Verwendung visueller Hilfsmittel, Zerlegung von Aufgaben
- Zeitmanagement: Time Timer, visuelle Planung, festgelegte Routinen
- Motorische Kontrolle: Strategien zur Kanalisierung des Bewegungsbedarfs (dynamisches Sitzen, Fidgets)
- Aufmerksamkeit: Aufgeräumte Umgebung, Geräuschunterdrückung, visuelle Isolation
- Exekutive Funktionen: Planungs-, Überprüfungs- und Selbstregulationsstrategien
💡 Digitale Werkzeuge bei ADHS
Kognitive Stimulation Apps wie COCO können Kindern mit ADHS helfen, ihre Aufmerksamkeit und exekutiven Funktionen spielerisch zu trainieren. Die integrierte Sportpause erfüllt den Bewegungsbedarf dieser Kinder und fördert gleichzeitig die Regulierung.
🔍 Ergotherapeutische Bewertung
Die ergotherapeutische Bewertung der Lernstörungen ist spezifisch und umfassend. Sie zielt darauf ab, die Schwierigkeiten, deren Ursprung und deren funktionale Auswirkungen zu identifizieren, um die Intervention zu steuern.
Verwendete standardisierte Tests
- M-ABC 2: Bewegungsbewertung für Kinder, Screening der TDC
- BHK: Schnelle Bewertungsmaßnahme für das Schreiben (Qualität und Geschwindigkeit)
- Beery VMI: Test der visuomotorischen Integration, Nachzeichnen geometrischer Formen
- DTVP: Test der visuellen Wahrnehmung, Diskrimination, Formkonstanz
- Dunn Sensorisches Profil: Fragebogen zur sensorischen Verarbeitung
- NEPSY-II: Relevante Untertests für sensorimotorische Funktionen
Klinische Beobachtung
Schreibanalyse
Haltung, Stiftführung, Druck, Buchstabenbildung, Geschwindigkeit, Müdigkeit
Schulbeobachtung
Arbeitsorganisation, Materialnutzung, Teilnahme, Verhalten
Alltagsautonomie
Ankleiden, Essen, Organisation des Rucksacks, Zeitmanagement
Diagnosekriterien der TDC (DSM-5)
- Kriterium A: Erwerb und Ausführung motorischer Koordinationsfähigkeiten unter dem erwarteten Niveau
- Kriterium B: Das Defizit beeinträchtigt erheblich die Aktivitäten des täglichen Lebens und den schulischen Erfolg
- Kriterium C: Beginn der Symptome in der frühen Entwicklungsphase
- Kriterium D: Das Defizit lässt sich nicht besser durch eine intellektuelle Behinderung, eine Sehbehinderung oder eine neurologische Erkrankung erklären
"Die Bewertung muss über die Testergebnisse hinausgehen, um die tatsächlichen Auswirkungen der Schwierigkeiten auf das Leben des Kindes zu verstehen. Diese funktionale Sichtweise leitet die ergotherapeutische Intervention."
— Empfehlungen für bewährte Praktiken
🛠️ Angepasste Werkzeuge für Lernstörungen
COCO bietet spielerische Übungen zur Förderung von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und exekutiven Funktionen bei Kindern im Alter von 5 bis 10 Jahren, mit einer integrierten Sportpause.
COCO entdecken →🎯 Rehabilitation und Kompensation
Die ergotherapeutische Intervention kombiniert die Rehabilitation der defizitären Funktionen und die Umsetzung von Kompensationen, um dem Kind zu ermöglichen, trotz seiner Schwierigkeiten zu funktionieren.
Rehabilitation des Schreibens
- Haltung und Installation: Arbeiten an der Sitzposition, der Höhe des Schreibtisches, der Ausrichtung des Blattes
- Stiftführung: Rehabilitation der Geste, Verwendung von Adaptern wenn nötig
- Buchstabenbildung: Explizites Lernen, visuelle und kinästhetische Methoden
- Flüssigkeit und Geschwindigkeit: Fortschreitendes Arbeiten an der Automatisierung, wiederholte Übungen
- Entspannung der Hand: Techniken zur Reduzierung von Verspannungen und Müdigkeit
CO-OP Ansatz
Der CO-OP Ansatz (Cognitive Orientation to daily Occupational Performance) ist besonders geeignet für Kinder mit TDC. Er nutzt kognitive Strategien, um neue Gesten zu erlernen:
Ziel - Plan - Tun - Überprüfen
Globale Strategie, die auf jedes motorische Lernen angewendet wird
Geführte Entdeckung
Das Kind findet selbst die Strategien mit Hilfe des Therapeuten
Generalisierung
Übertragung der erlernten Strategien auf andere Situationen
Kompensation durch Computerwerkzeuge
- Erlernen der Tastatur: Blindtippen als Ersatz für das handschriftliche Schreiben
- Geometrie-Software: GeoGebra zur Umgehung der Zeichenschwierigkeiten
- Spracherkennung: Diktat für Kinder mit schweren graphomotorischen Schwierigkeiten
- Vorhersagesoftware: Hilfe bei der Rechtschreibung und schriftlichen Produktion
⚠️ Wann auf den Computer umsteigen?
Die Entscheidung zur Kompensation durch den Computer sollte wohlüberlegt sein. Sie wird empfohlen, wenn: die TDC bestätigt ist, die Rehabilitation ihre Grenzen erreicht, das Schreiben unleserlich oder zu langsam bleibt, die kognitiven Kosten zu hoch sind. Ein strukturiertes Erlernen der Tastatur ist dann unerlässlich.
🏫 Schulische Anpassungen
Der Ergotherapeut spielt eine Schlüsselrolle bei der Empfehlung von schulischen Anpassungen, die auf die Schwierigkeiten des Kindes abgestimmt sind. Diese Anpassungen können in einem PAP (Personalisiertes Begleitplan) oder einem PPS (Personalisiertes Schulprojekt) formalisiert werden.
Arten von Anpassungen
- Pädagogische Anpassungen: Zusätzliche Zeit, Reduzierung der Schreibmenge, Kopien des Unterrichts
- Materielle Anpassungen: Computer, angepasste Software, ergonomische Möbel
- Organisatorische Anpassungen: Platz im Klassenzimmer, Präsentation der Materialien, vereinfachte Anweisungen
- Menschliche Hilfe: AESH für bestimmte Kinder mit besonderen Bedürfnissen
Übliche Anpassungen nach Störung
TDC
Computer, zusätzliche Zeit, Reduzierung der schriftlichen Arbeiten, angepasste Geometrie, Kopien
Legasthenie
Audio-Lesung, angepasste Schriftart, zusätzliche Zeit, Umformulierung der Anweisungen
ADHS
Strategischer Platz, erlaubte Fidgets, aufgeteilte Anweisungen, häufige Pausen
Die Rolle des Ergotherapeuten
- Bedarfsevaluation: Identifizierung der notwendigen und angepassten Anpassungen
- Argumentierte Empfehlungen: Erstellung von Empfehlungen für das Bildungsteam
- Schulung des Lehrers: Erklärung der Schwierigkeiten des Kindes und der angepassten Strategien
- Überwachung der Umsetzung: Überprüfung der Wirksamkeit der Anpassungen und Anpassungen
- Teilnahme an ESS: Teams zur Überwachung der Schulbildung für Kinder mit PPS
"Die Anpassungen sind kein Gefallen, sondern eine notwendige Kompensation, um dem Kind zu ermöglichen, seine tatsächlichen Fähigkeiten trotz seiner Störung zu zeigen."
— Prinzipien der schulischen Inklusion
💻 Angepasste digitale Werkzeuge
Digitale Werkzeuge bieten wertvolle Lösungen für Kinder mit Lernstörungen, sowohl für die Rehabilitation als auch für die Kompensation von Schwierigkeiten.
Apps zur kognitiven Stimulation
Die COCO-App von DYNSEO ist besonders geeignet für Kinder mit Lernstörungen. Sie bietet spielerische Übungen, die auf die oft defizitären Funktionen dieser Kinder abzielen.
Aufmerksamkeit
Übungen zur nachhaltigen, selektiven und geteilten Aufmerksamkeit, angepasst an ADHS
Arbeitsgedächtnis
Training des visuellen und auditiven Gedächtnisses, das für das Lernen entscheidend ist
Sportpause
Integrierte körperliche Aktivitäten zur Befriedigung des Bewegungsbedarfs
Kompensationssoftware
- Angemessene Textverarbeitung: Mit leistungsfähiger Rechtschreibprüfung, Wortvorhersage
- Sprachsynthese: Zum Lesen von geschriebenen Texten
- Spracherkennung: Dragon, Word Diktat zur Umgehung des Schreibens
- Geometrie-Software: GeoGebra, Geoplan für geometrische Konstruktionen
- Mind Mapping: Organisation von Ideen auf visuelle Weise
💡 Das Erlernen der Tastatur
Bevor das Kind den Computer als Kompensationswerkzeug nutzen kann, muss es das Blindtippen erlernen. Spezialisierte Software (TapTouche, Typing Club) ermöglicht dieses Lernen. Der Ergotherapeut überwacht diesen Prozess und stellt sicher, dass die Tippgeschwindigkeit höher wird als die der Handschrift.
🤝 Umfassende Begleitung
Die Begleitung eines Kindes mit Lernstörungen geht über die technische Rehabilitation hinaus. Sie umfasst emotionale Unterstützung, Koordination mit anderen Fachleuten und familiäre Anleitung.
Psychologische Auswirkungen der DYS-Störungen
- Selbstwertgefühl: Wiederholtes Gefühl des Scheiterns, Vergleich mit Gleichaltrigen
- Angst: Angst vor der Schule, Prüfungen, Schreibsituationen
- Entmutigung: Disproportionales Bemühen im Verhältnis zu den Ergebnissen
- Verhaltensstörungen: Manchmal reaktiv auf die Schwierigkeiten
Elternberatung
Informieren
Erklärung der Störung, ihrer Manifestationen, ihrer Dauerhaftigkeit
Ausrüsten
Übermittlung konkreter Strategien zur Unterstützung des Kindes im Alltag
Unterstützen
Begleitung der Eltern bei der Akzeptanz und Anpassung
Netzwerkarbeit
- Logopäde: Koordination bei den Schwierigkeiten der schriftlichen Sprache
- Psychomotoriker: Ergänzung zur großen Motorik
- Psychologe: Emotionale Begleitung, kognitive Bewertung
- Lehrer: Umsetzung der Anpassungen, pädagogische Anpassung
- Arzt: Medizinische Koordination, Erneuerung der Verschreibungen
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Die Lernstörungen betreffen eine erhebliche Anzahl von Kindern, die ohne angepasste Begleitung Gefahr laufen, schulisch zu scheitern und psychisches Leid zu erfahren. Der Ergotherapeut bringt eine einzigartige Expertise in Bezug auf die funktionalen Aspekte dieser Störungen ein, insbesondere bei der TDC und den Schreibschwierigkeiten.
Die ergotherapeutische Intervention kombiniert Rehabilitation und Kompensation, stets im Dienste der Teilnahme des Kindes an seiner schulischen Laufbahn und seinem Alltag. Digitale Werkzeuge, seien es kognitive Stimulation Apps wie COCO oder Kompensationssoftware, bereichern die Möglichkeiten der Begleitung erheblich.
Die Zusammenarbeit mit den Eltern, der Schule und anderen Fachleuten ist unerlässlich, um die Kohärenz der Begleitung sicherzustellen und dem Kind zu ermöglichen, sein volles Potenzial trotz seiner Schwierigkeiten zu entwickeln.
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