Rehabilitation von Schluckstörungen: Die Grundlagen für den Einstieg
Dysphagie stellt ein großes öffentliches Gesundheitsproblem dar. Entdecken Sie die Grundlagen der Bewertung und der logopädischen Behandlung von Schluckstörungen.
Schluckstörungen betreffen Tausende von Patienten, von den Folgen eines Schlaganfalls bis hin zu neurodegenerativen Erkrankungen und HNO-Pathologien. Der Logopäde spielt eine zentrale Rolle bei der Bewertung, Rehabilitation und Anpassung der Nahrungsaufnahme, um potenziell schwerwiegende Komplikationen wie Aspirationpneumonien zu verhindern.
🔬 Physiologie des Schluckens
Das Schlucken ist ein komplexer Vorgang, der mehr als 30 Muskeln und mehrere Paare von Hirnnerven umfasst. Es erfolgt in drei aufeinanderfolgenden Phasen, von denen jede spezifische Funktionsstörungen aufweisen kann, die angepasste therapeutische Ansätze erfordern.
Orale Phase
Vorbereitung des Bolus (Kauen, Einspeicheln) und dann Förderung in den Rachen. Freiwillige Phase.
Pharyngeale Phase
Auslösung des Reflexes, Schließung der Atemwege, Übergang in die Speiseröhre. Reflexphase.
Ösophageale Phase
Fortschreiten des Bolus in den Magen durch Peristaltik. Automatische Phase.
🏥 Hauptätiologien
Neurologische
Schlaganfall, Parkinson, ALS, MS, Schädel-Hirn-Trauma, Hirntumoren
HNO / Chirurgische
HNO-Tumoren, Laryngektomien, Halsoperationen, Strahlentherapie
Altersbedingt
Presbyphagie, Sarkopenie, Demenzen, Polypharmazie
💡 Presbyphagie vs Dysphagie
Die Presbyphagie bezeichnet die physiologischen Veränderungen des Schluckens, die mit dem normalen Altern verbunden sind (Verlangsamung, Abnahme der Kraft). Sie stellt an sich keine Störung dar, schwächt jedoch den Patienten gegenüber interkurrenten Erkrankungen.
🚨 Warnsignale
Die frühzeitige Erkennung von Schluckstörungen ist entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden. Bestimmte Anzeichen sollten den Kliniker oder das Umfeld sofort alarmieren.
⚠️ Anzeichen für Dysphagie
- Husten während oder nach den Mahlzeiten (häufigstes Zeichen)
- Feuchte oder gurgelnde Stimme nach dem Schlucken
- Speichelfluss, Lippenleckagen
- Verlängerung der Essenszeit
- Nahrungsreste im Mund nach dem Schlucken
- Ungeklärter Gewichtsverlust
- Wiederholte Pneumonien
- Essensverweigerung, Angst vor dem Essen
- Dehydrierung
⚠️ Achtung vor stillen Aspirationen
Bei bestimmten Patienten (insbesondere neurologischen) können stille Aspirationen ohne Reflexhusten auftreten. Diese stillen Aspirationen sind besonders gefährlich, da sie klinisch nicht erkannt werden. Die Wachsamkeit muss bei Risikopatienten erhöht werden.
🔍 Die klinische Bewertung
Die logopädische Schluckbewertung umfasst eine detaillierte Anamnese, eine Untersuchung der oro-fazialen Strukturen und Nahrungsversuche mit verschiedenen Texturen. Sie sollte unter optimalen Sicherheitsbedingungen durchgeführt werden.
Die Komponenten der Bewertung
💡 Der funktionelle Kapazitätstest
Nach den Löffel-zu-Löffel-Versuchen bewerten Sie die Fähigkeit des Patienten, kontinuierlich aus einem Glas zu trinken. Dieser anspruchsvollere Test zeigt Schwierigkeiten, die bei kleinen Volumina nicht erkannt werden. Nur durchführen, wenn die vorangegangenen Tests sicher sind.
🍽️ Anpassung der Texturen
Die Anpassung der Nahrungstexturen stellt oft die erste Maßnahme zur Sicherung der Mahlzeiten dar. Die IDDSI-Klassifikation (International Dysphagia Diet Standardisation Initiative) bietet ein standardisiertes internationales Referenzsystem.
Dünne bis leicht angedickte Flüssigkeiten
Stilles Wasser, schwach angedicktes Wasser. Für Patienten mit guter Kontrolle des flüssigen Bolus. Risiko einer Aspiration bei Störungen der Förderung.
Moderat bis stark angedickte Flüssigkeiten
Konsistenz von Nektar bis Honig. Verlangsamt den Fluss, gibt mehr Zeit zur Auslösung des Reflexes. Angezeigt bei verzögerter pharyngealer Auslösung.
Glatte Mischung (Püree)
Homogene Textur ohne Stücke. Erfordert kein Kauen. Für schwere Störungen der oralen Phase.
Fein bis zart gehackte Stücke
Kleine schmelzende Stücke. Erfordert minimale Kaubewegungen. Fortschritt zur normalen Textur.
Normale Textur
Standardernährung ohne Modifikation. Ziel der Rehabilitation, wenn möglich.
🪑 Sicherheitspositionen
Vorwärtsbeugung
Kinn zur Brust. Schützt die Atemwege, erweitert die Valleculae. Häufigste Position.
Kopfrotation
Kopf zur betroffenen Seite gedreht. Schließt den verletzten piriformen Sinus, leitet den Bolus zur gesunden Seite.
Seitliche Neigung
Kopf zur gesunden Seite geneigt. Nutzt die Schwerkraft, um den Bolus zur funktionellen Seite zu leiten.
💡 Sitzposition während der Mahlzeit
Über die Kopfposition hinaus ist die allgemeine Sitzposition entscheidend: Patient gut sitzend, Rücken gerade, Füße auf dem Boden, Tisch in der richtigen Höhe. Vermeiden Sie das Essen im Liegen oder Halbliegen, es sei denn, es ist anders angegeben. Halten Sie die Sitzposition 30 Minuten nach der Mahlzeit.
🎯 Ergänzende kognitive Stimulation
Die DYNSEO-Anwendungen unterstützen die umfassende Betreuung von dysphagischen Patienten, insbesondere zur Erhaltung der kognitiven Funktionen. EDITH und JOE bieten Übungen, die auf Erwachsene und Senioren zugeschnitten sind.
Entdecken Sie unsere Werkzeuge →💪 Rehabilitationstechniken
Analytische Rehabilitation
- Lippenstärkung: Widerstandsübungen, Halten von Druck
- Zungenmobilität: Gezielte Praxien, Gegenwiderstand
- Gaumenarbeit: Atemübungen, orale/nasale Produktionen
- Sensorische Stimulation: Thermische, taktile, gustatorische Stimulationen
Schutzmanöver
- Supraglottisches Schlucken: Freiwillige Apnoe vor und während des Schluckens, Husten danach
- Super-Supraglottisches Schlucken: Apnoe mit Druckanstrengung
- Mendelsohn-Manöver: Halten der Larynxhebung
- Anstrengendes Schlucken: Maximale Kontraktion während des Schluckens
Funktionelle Rehabilitation
- Allmähliche Wiederaufnahme der Nahrungsaufnahme mit angepassten Texturen
- Allmähliche Erhöhung der Volumen und der Vielfalt
- Arbeit an der Selbstständigkeit während der Mahlzeiten
- Patienten- und Angehörigenschulung
👥 Interdisziplinäre Teamarbeit
Die Behandlung von Dysphagie erfolgt im Rahmen eines interdisziplinären Ansatzes, der zahlreiche Fachleute mit komplementären Kompetenzen einbezieht.
Ärzte
HNO-Arzt, Neurologe, Geriater, MPR für die ätiologische Diagnose und Nachsorge
Ernährungsberater
Ernährungsanpassung, Prävention von Mangelernährung, Anreicherung
Pflegepersonal
Krankenpfleger und Pflegehilfen zur Überwachung der Mahlzeiten und zur Umsetzung der Anweisungen
🎯 Fazit
Die Behandlung von Schluckstörungen erfordert eine sorgfältige Bewertung, individuelle Anpassungen und eine schrittweise Rehabilitation. Der Logopäde spielt eine zentrale Rolle in diesem Prozess, von der anfänglichen Bewertung bis zur funktionellen Rehabilitation.
Die Prävention von Komplikationen (Pneumonien, Mangelernährung, Dehydrierung) hat oberste Priorität, während die Verbesserung der Lebensqualität und der Genuss von Nahrung im Mittelpunkt des therapeutischen Ansatzes stehen.
Das Schlucken, ein vitaler Akt, den es zu schützen gilt:
DYNSEO unterstützt die umfassende Betreuung Ihrer Patienten.