📋 Praktischer Leitfaden
Umgang mit schwierigen Verhaltensweisen bei Kindern mit Down-Syndrom
🎯 Wie benutze ich diesen Leitfaden?
Dieses Dokument ist Ihr täglicher Erinnerungshelfer. Halten Sie es griffbereit, hängen Sie es in Ihrem Arbeitsbereich auf, konsultieren Sie es, sobald ein schwieriges Verhalten auftritt. Es enthält das Wesentliche dessen, was Sie während der Schulung gelernt haben.
💬 Eingeschränkte Kommunikation
- Das Kind kann seine Bedürfnisse nicht immer verbal ausdrücken
- Schwierige Verhaltensweisen sind Versuche der Kommunikation
- Frage, die man sich stellen sollte: "Was versucht es mir zu sagen?"
😴 Müdigkeit und Hypotonie
- Hypotonie macht körperliche Anstrengungen kostspieliger
- Kognitive Müdigkeit sammelt sich schnell an
- Ein müdes Kind = ein gereiztes Kind
- Anzeichen: Augenreiben, Unruhe, Rückzug
🔄 Schwierigkeiten mit Regeln und Übergängen
- Abstrakte Regeln sind schwer zu verstehen
- Übergänge erzeugen Angst
- Das Kind benötigt Vorhersehbarkeit
- Unvorhergesehenes ist eine Stressquelle
💡 Zu beachten
Ein schwieriges Verhalten ist niemals grundlos. Es ist immer eine Reaktion auf ein unerfülltes Bedürfnis, eine Kommunikationsschwierigkeit oder eine Überstimulation. Suchen Sie zuerst die Ursache, bevor Sie auf das Verhalten reagieren.
🏠 Die Umgebung strukturieren
- Räume klar kennzeichnen (Spiel, Ruhe, Essen)
- Ablenkungen und übermäßige Stimulation reduzieren
- Möbel an die Größe des Kindes anpassen
- Material sichtbar und zugänglich organisieren
- Alles, was nicht gebraucht wird, aufräumen
📅 Routinen und visuelle Hilfsmittel
- Vorhersehbare Routinen für jeden Moment des Tages festlegen
- Piktogramme und visuelle Pläne verwenden
- Dem Kind erlauben, die erledigten Schritte abzuhaken
- Sequenzen auf Augenhöhe des Kindes anzeigen
- Konstanz wahren: dieselbe Reihenfolge, dieselben Anhaltspunkte
⏰ Übergänge antizipieren
- Allmählich warnen: "In 5 Minuten", "In 2 Minuten"
- Visuelle Timer verwenden (Time Timer, Sanduhr)
- Übergangsrituale schaffen (Auf Wiedersehen sagen, aufräumen)
- Eingeschränkte Wahlmöglichkeiten anbieten, um Kontrolle zu geben
- Visuell zeigen, was danach kommt
✅ Goldene Regel der Prävention
Struktur + Routine + Antizipation = Sicherheit
Je mehr das Kind weiß, was passieren wird, desto weniger ängstlich ist es, desto weniger zeigt es schwierige Verhaltensweisen.
🚨 NOTFALLPROTOKOLL
Wenn sich das schwierige Verhalten zeigt
Tief durchatmen
Gefahren entfernen
"Stopp", "Sitz", "Atme"
Techniken zur Beruhigung
🧘 Ihre Haltung: der Schlüssel zu allem
- Ihre Ruhe ist ansteckend, Ihr Stress auch
- Senken Sie den Ton Ihrer Stimme
- Verlangsamen Sie Ihre Bewegungen
- Ultra-kurze Anweisungen: maximal 2-3 Wörter
- Verhandeln Sie nicht während der Krise
- Wiederholen Sie nicht 10 Mal dasselbe
❌ ZU VERMEIDEN
- • Laut werden
- • Lange Reden
- • Während der Krise verhandeln
- • Ununterbrochen wiederholen
- • Gereiztheit zeigen
- • Physisch zwingen
✅ ZU TUN
- • Ruhig bleiben
- • Kurze Anweisungen
- • Zeigen statt sagen
- • Die Emotion validieren
- • Die Aufmerksamkeit umleiten
- • Begleitung zur Ruhe
🛠️ Deeskalationstechniken
- Positive Ablenkung: "Oh schau, was ist da drüben?"
- Geführte Atmung: "Wir pusten die Kerzen zusammen aus"
- Rückzugsraum: Ruhiger Bereich mit Kissen (keine Bestrafung!)
- Sanfter körperlicher Kontakt: Hand auf der Schulter, Umarmung, wenn akzeptiert
- Sensorische Hilfsmittel: Stressball, Fidget, Gewichtsdecke
📢 Sätze, die während der Krise verwendet werden können
"Stopp."
"Sieh mich an."
"Atme mit mir."
"Ich sehe, dass du wütend bist."
"Wir gehen in die ruhige Ecke."
"Zeig mir, was du willst."
"Ich bin hier."
⚠️ Spezifische Situationen
Weigerung: Einfach umformulieren + Wahl anbieten + Zeit geben
Unruhe: Sicherheit + Entlastungsaktivität + Ruhezeit
Schreien: Emotion validieren + nicht überreagieren + auf eine Alternative umleiten
💬 Einfaches und beruhigendes Debriefing
- Einige Minuten warten, bis das Kind sich beruhigt hat
- Mit einfachen Worten verbal kommunizieren: "Du warst wütend. Du hast geschrien. Jetzt ist es vorbei."
- Beruhigen: "Ich bin hier. Ich liebe dich. Alles ist gut."
- Schnell wieder einen normalen Rahmen geben
- Nicht wiederholen oder predigen
⭐ Positive Verstärkung: Ihre Superkraft
- Verhaltensweisen, die angemessen sind, SYSTEMATISCH wertschätzen
- Spezifisches Lob: "Du hast deine Spielsachen aufgeräumt, das ist großartig!"
- Ein visuelles Belohnungssystem schaffen (Aufkleber, Pompons)
- 10 Mal mehr Energie auf das Positive als auf das Negative verwenden
- Ein positiver Kreislauf schaffen: gutes Verhalten → Wertschätzung → Stolz → Wiederholung
📊 Kontinuierlich beobachten und anpassen
- Ein Verhaltensjournal führen (wann, Kontext, Auslöser)
- Wiederkehrende Muster identifizieren
- Routinen und Umgebung gemäß den Beobachtungen anpassen
- Mit Fachleuten zusammenarbeiten (Logopäde, Psychologe, Erzieher)
- Jeden Fortschritt, auch den kleinsten, feiern
🎉 Fortschritte anerkennen
Hat das Schreien abgenommen? Sind die Krisen kürzer? Verwendet das Kind manchmal Gesten zur Kommunikation? Das ist ein Sieg! Jeder kleine Schritt zählt und verdient gefeiert zu werden.
✅ Meine tägliche Checkliste
Jeden Tag überprüfen, um schwierige Verhaltensweisen vorzubeugen
"Hinter jedem Verhalten steckt eine Botschaft"
"Ihre Ruhe ist ansteckend"
"Vorhersehbarkeit = Sicherheit"
"Werten Sie das Positive 10x mehr auf"
Nutzen Sie diesen Raum, um Folgendes zu notieren:
- Die spezifischen Auslöser, die Sie beobachten
- Die Techniken, die am besten mit diesem Kind funktionieren
- Ihre Fragen an die Fachleute
- Die beobachteten Fortschritte